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Schenken ist gerade jetzt zur Weihnachtszeit ein großes Thema. Viele wünschen sich aber nicht den neusten Plasma-Bildschirm – sondern Zeit. Zeit für einen Spaziergang oder ein nettes Gespräch. Gut, dass es Menschen gibt, die Zeit schenken. Und zwar nicht nur zu Weihnachten. Wir stellen in unserer Weihnachtsserie Ehrenamtliche vor.
„Ich habe ein schlechtes Gewissen als Christ, wenn ich nur um meinen Bauchnabel herum lebe“, erklärt Rainer Kert die Motivation für sein Ehrenamt. Kert trifft sich zweimal die Woche mit Renate Kühn. Vor über zwei Jahren haben die beiden sich im Wohnheim der Diakonie Stetten In den Wannenäckern kennengelernt. Hier lebt Renate Kühn in einer Wohngruppe.
„Die ersten Male sind wir mal da lang gelaufen und mal da lang. Ich kannte mich hier nicht so gut aus“, erzählt Kert. „Dann hat sich ein fester Spazierweg eingeschlichen – mit einer Bank am Ende.“ Im Konzert waren die beiden auch mal, zum Jahresfest der Diakonie Stetten gehen sie auch – und „einmal sind wir sogar bis zum Max-Eyth-See gelaufen“, wundert sich Kert selbst, wie sie es bis dahin geschafft haben.
Kühn ist von Geburt an körperbehindert und sitzt im Rollstuhl. Sie freut sich über Kerts Besuche, sagt sie, denn „ich komme sonst nicht so raus“. Langweilig hingegen ist ihr auch sonst nicht: Kühn geht wochentags arbeiten, wie die meisten Bewohner des Wohnheims. Dazu ist sie noch Heimbeiratsvorsitzende und kümmert sich in dieser Funktion um die Belange aller Behinderten der Diakonie Stetten.
Dienstags und freitags treffen sich Kert und Kühn in der Regel. Wenn beide Feierabend haben, für etwa eineinhalb bis zwei Stunden, bis für Kühn um 18 Uhr das Abendessen auf dem Programm steht.
In den letzten Monaten hatte Kert viel zu arbeiten, da mussten die Treffen öfter mal ausfallen. Das soll sich wieder ändern, findet der Ingenieur, denn: „Man sollte seinen Lebensrhythmus wegen der Arbeit nicht so sehr verändern.“ Wobei Kert spätestens ab nächstem Sommer wieder mehr Zeit haben wird, denn da geht der 64-Jährige in Pension. Aber solange lässt er Kühn natürlich nicht sitzen: Wenn’s mal gar nicht klappt, dann kommt er am Sonntag zusammen mit seiner Partnerin. Diese engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich, was für Kert „durchaus ein Stück Anstoß“ zum eigenen Engagement war.
Durch eine Phase persönlichen Umbruchs entstand bei Kert 2008 der Wunsch, etwas zu machen „was eine Außenwirkung hat“. Er bekam den Tipp, bei der Diakonie Stetten anzufragen. Es folgten einige Treffen vor Ort mit Jürgen Gottschlich, dem Leiter des Wohnheims, und Steffen Wilhelm, dem Koordinator für Ehrenamt. „Ich komme aus dem technischen Bereich und hatte zunächst keine Ahnung, wozu die mich brauchen“, meint Kert. Berührungsängste habe er überhaupt keine gehabt, nur Bedenken, ob er etwas falsch mache. In den Gesprächen kristallisierte sich heraus, welche Aufgabe zu Kert passen könnte. Am Ende kam Renate Kühn dazu, die beiden konnten sich „beschnuppern“ – und ganz offensichtlich stimmt die Chemie.
Wenn Kert nun am Ende des Spazierwegs auf der besagten Bank sitzt, Kühn in ihrem Rollstuhl daneben, dann erzählen sich die beiden, „was gerade so läuft“. „Renate ist ja ein intelligentes Mädel“, lächelt Kert. „Ich kann gut mit ihr reden und finde es gut, ihre Meinung zu hören.“
Wer mehr über die Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements bei der Diakonie Stetten wissen möchte, wendet sich an Steffen Wilhelm, Koordinator für Ehrenamt, Telefon 07151/940 31 42. Weitere Infos auch unter www.extrazeit.de.
LAURA KÖHLMANN BAD CANNSTATT
mit freundlicher Genehmigung des Fellbacher Wochenblatts VON
Fotos: Laura Köhlmann